Im Jahr 2009 trat ich meine erste Reise nach Südafrika an. Unser Ziel war es möglichst viele der damals bekannten Drosera-Arten am Naturstandort zu sehen. Drosera cistiflora hat mich seit Beginn meines Interesses für fleischfresssende Pflanzen interessiert. Zu dem Zeitpunkt kultivierte ich bereits einige Pflanzen dieser Art. Nun war die Zeit gekommen, sie hoffentlich auch am Naturstandort zu sehen. Bei den Recherchen im Vorfeld der Reise fand ich Bilder einer Pflanze dieser Art mit intensiv roten Blüten, die in der Nähe der Stadt Darling vorkommen soll. Mein Interesse war geweckt! Diese Pflanze würde ich natürlich gerne mit eingenen Augen sehen wollen! Den Standort fand ich nach einiger Recherche und nerven einiger anderer Pflanzenliebhaber irgendwann raus. Es konnte also losgehen!
Am 18. September 2009 machten wir uns auf die Suche nach diesem Standort. Es war kein Problem, ihn zu finden und es sollte auch nicht lange dauern, bis wir die Pflanzen gefunden hatten. Wir waren am späten Vormittag dort und konnten viele Pflanzen mit offenen Blüten vorfinden. Ein wirklich toller Anblick! In vielen der Blüten konnten wir zudem noch die meist grünen Bestäuberkäfer bei ihrer Arbeit beobachten. Wir blieben eine ganze Zeit lang dort, schauten uns um und machten viele Bilder.
Die Blütenfarbe ist ein intensives rot, vergleichbar mit der Farbe unserer Mohnpflanzen. Die Pfanze selbst ist für Drosera cistiflora relativ klein und fällt durchaus in das typische Spektrum. Die Hochblätter sind allerdings etwas länger als bei anderen Formen. Das Habitat ist ein sogenanntes Renosterveld, also geprägt durch Geophyten und kleineren Gräsern. Proteen fehlen dort vollkommen, die Vegetation ist insgesamt nicht sonderlich hoch.
2012 kehrten wir am 17. September wieder zu diesem Standort zurück. Mit großer Freude konnten wir immer noch viele der Pflanzen finden. Allerdings ließ uns die Sonne etwas im Stich, so dass wir keine offenen Blüten sehen konnten. Wir versuchten es zwei Tage später nochmal, leider konnten wir auch dann keine offenen Blüten finden.
Wir besuchten diesen Standort im Laufe der Jahre weitere Male. Im September 2014 bot sich ein ähnliches Bild wie in den Jahren zuvor. Die Pflanzen zu finden war kein Problem, der Bestand schien durchaus stabil und gesichert zu sein. Da er zudem noch in einem kleinen Nature Reserve liegt hatten wir Hoffnung, dass das auch so bleiben würde. Leider täuschte sich unser Eindruck.
Südafrika litt im Jahr 2017 unter einer furchtbaren Dürre. Das ganz Land trocknete aus, der Bevölkerung wurden harte Vorgaben zum Wasserverbrauch gemacht. In der Hochzeit der Dürre durfte man pro Tag insgesamt nur 50 Liter Wasser verbrauchen – wohlgemerkt inkl. Duschen und Toilette. Das komplette Land schien auszutrocknen. Dass hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Pflanzen. Im September 2017 war dieser Standort bereits weitgehend ausgetrocknet. Lediglich ein paar wenige Pflanzen waren zu finden. Von den Drosera fehlte jede Spur. Wir hatten die Befürchtung, dass sie möglicherweise die Trockenheit nicht überstanden hatten. Gleichzeitig hofften wir, dass noch einige Samen im Boden liegen würden, die dann in besseren Zeiten wieder keimen. Vielleicht waren sie aber auch einfach nur bereits eingezogen. Wir werden es nicht mehr rausfinden können. Tatsache ist aber, dass wir seitdem nie mehr wieder einen solchen schönen Bestand an Drosera cistiflora dort gesehen haben!
Ein weiteres Problem dieses Standorts ist die Landwirtschaft, die um das kleine Reserve herum stattfindet. Auf großen Flächen wird alles mögliche angebaut. Mittlerweile auch Raps in direkter Nähe des Reservates. Es fällt sicher nicht schwer, sich vorstellen zu können, dass diese intensive Landwirtschaft diesem Standort nicht gut tut. Er befindet sich buchstäblich von Feldern umringt.
Nach einem kurzen Besuch im November 2019 (zu der Jahreszeit ist der Standort typischerweise bereits natürlicherweise ausgetrocknet und die Pflanzen sind eingezogen) waren wir das nächste Mal 2022 dort. Zu unserem Erschrecken konnten wir keine einzige Pflanze finden! Der Bestand schien dramatisch abgenommen zu haben. Dafür fanden wir den ersten Raps und viele kräftige Gräser im Reservat. Das kam zwar nicht überraschend, es musste ja irgendwann so kommen. Auch die Vielfalt der anderen Pflanzen schien abgenommen zu haben. Wir waren dennoch etwas überrascht davon. Auf Facebook sahen wir dann zum Glück noch einige Bilder der roten Blüten. Sie waren also noch da, scheinbar aber bei weitem nicht mehr in der gewohnten Menge.
Im September 2022 und 2024 waren wir nochmal an dem Standort 2022. fanden wir nach einiger Suche exakt eine Pflanze, 2024 blieb uns der Erfolg vergönnt. Auch hier konnte ich wieder Bilder in den bekannten Facebook-Foren finden. Es gibt sie also noch, auch wenn wir sie nicht gesehen haben. Leider nahm der Bewuchs von Raps und vielen anderen Pflanzen, die dort nicht hingehören immer weiter zu. Ich befürchte, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das kleine Reservat seinen Untergang erleben wird.
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